Aufgaben

Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist auf Bundesebene Ansprechpartner und Sprachrohr für Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Aufgaben und Selbstverständnis hat die Mitgliederversammlung im "Potsdamer Programm" fixiert. Es ist Leitlinie des Handelns für die Mitgliedsorganisationen ebenso wie für die angeschlossenen Innungsfachbetriebe. 

POTSDAMER PROGRAMM

Die Kreishandwerkerschaften und ihre Arbeitsgemeinschaften
Selbstverständnis einer Organisation als Ergebnisse der Potsdamer Gespräche

Aktualisierte Fassung 03/98
Technische Gründe bedingen ein geringfügig geändertes Layout. Das Originaldokument können Sie hier als PDF herunterladen: Potsdamer Programm

"Und Sie, meine Landsleute, fragen Sie nicht, was Amerika für Sie tun kann. 
Fragen Sie vielmehr, was Sie für Amerika tun können."

John F. Kennedy

Vorbemerkung

Die Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in der Bundesrepublik Deutschland, kurz: Bundesarbeitsgemeinschaft, hat in ihrer Mitgliederversammlung 1996 in Potsdam den bundesweiten Aufbau der Organisation - in einem ersten Schritt - als abgeschlossen bewertet. In den neuen Bundesländern waren flächendeckend Kreishandwerkerschaften aufgebaut worden und in nahezu allen Bundesländern hatten sich die Kreishandwerkerschaften zu Landesarbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Nach der sodann erfolgten organisatorischen und wirtschaftlichen Konsolidierung war es an der Zeit, die gestellten Aufgaben und gesetzten Ziele sowie das eigene Selbstverständnis neu zu überdenken und die Ergebnisse schriftlich niederzulegen. Die Auseinandersetzung mit diesen Grund(satz)fragen ist kein unnötiger Luxus, sondern ein wesentlicher Teil des Nachdenkens über den eigenen Weg in die Zukunft. Mit den Potsdamer Gesprächen hat sich die Bundesarbeitsgemeinschaft als bundesweiter Zusammenschluß der gesetzlich verankerten Kreishandwerkerschaften dieser Aufgabe unterzogen. Sie will damit auch einen Beitrag zu mehr Transparenz und damit zum besseren Verständnis dieser Organisation leisten.

Geschichte

Die Kreishandwerkerschaften sind, wenn auch in wechselnder Begrifflichkeit, die zweitälteste Organisationsform nach den Zünften/Innungen. Gab es schon im Mittelalter Zunfthäuser, in denen z. T. auch mehrere Zünfte ihr Forum hatten, so bildeten die vereinigten Zunft- oder Innungsausschüsse die erste institutionalisierte Organisationsform in neuerer Zeit, die dann auch 1881 in der Reichsgewerbeordnung kodifiziert wurde. Der erste landesweite Zusammenschluß der Kreishandwerkerschaften zu einer Arbeitsgemeinschaft vollzog sich unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und wurde durch den Friseurmeister und Kreishandwerksmeister Köllges aus Mühlheim initiiert. Erst 1983 zog ein weiteres Bundesland nach, bis sich dann Anfang der 90-er Jahre auch alle anderen Bundesländer, in denen es Kreishandwerkerschaften gab und gibt, zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschlossen und Mitglied der 1989 in Bonn gegründeten Bundesarbeitsgemeinschaft wurden, ein Prozeß, der Ende 1992 abgeschlossen wurde. Einzige Ausnahme bildet bis heute das Bundesland Bayern, da es dort - von wenigen Ausnahmen abgesehen - keine selbständigen, d. h. mit eigenem Personal besetzte Kreishandwerkerschaften gibt. Seit dem Austritt der Arbeitsgemeinschaft Niedersachsen/Bremen zum Jahresende 1997 gehören aus diesem Bereich ebenso wie aus Bayern einige Kreishandwerkerschaften als Einzelmitglieder zur Bundesarbeitsgemeinschaft.

Struktur

Dem bundesgesetzlichen Auftrag der Handwerksordnung entsprechend haben die Innungen in allen Bundesländern Kreishandwerkerschaften gebildet. Ausnahmen, die dieser gesetzlichen Bestimmung widersprechen, finden sich nur in Berlin, Hamburg und im Saarland. Von diesen drei Bundesländern abgesehen, haben sich die Kreishandwerkerschaften der übrigen Länder (einzige Ausnahme bildet, wie gesagt, Bayern) zu Arbeitsgemeinschaften auf Landesebene zusammengeschlossen, wobei - bis auf Niedersachsen/Bremen - alle Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft sind. So betreut die Bundesarbeitsgemeinschaft über die ihr angehörenden neun Landesarbeitsgemeinschaften sowie ihre Einzelmitglieder letztlich zwölf Bundesländer mit rd. 200 Kreishandwerkerschaften und knapp 220.000 Handwerksbetrieben. Dabei deckt der Organisationsgrad der Landesarbeitsgemeinschaften eine Bandbreite von 40 % bis 100 % ab und erreicht auf Bundesebene einen Mittelwert von rd. 75 %.

Aufgaben nach innen

Den Kreishandwerkerschaften ist ein umfassendes Mandat zur Vertretung von Arbeitgeberinteressen erteilt worden, das in seiner Umfänglichkeit bei keiner anderen gesetzlich geregelten Handwerksorganisation zu finden ist. Dementsprechend haben die Landesarbeitsgemeinschaften wie die Bundesarbeitsgemeinschaft ihre Hauptaufgabenstellung definiert. Sie setzen auf Länder- und Bundesebene die "Wahrnehmung der Gesamtinteressen des selbständigen Handwerks" (§ 87 HwO) als gesetzliche Pflichtaufgabe der Kreishandwerkerschaften fort. Gleichzeitig übernehmen die Arbeitsgemeinschaften, entsprechend ihren regionalen Abstufungen, Zentralaufgaben und Koordinierungsfunktion, um einheitliche Willensbildung und Meinungsäußerung zu gewährleisten und Synergieeffekte zu erzielen. Nur so kann von der Basis über die Länder bis hin zur Bundesebene die den Kreishandwerkerschaften obliegende, fachübergreifende Arbeitgebervertretung ebenso effektiv wie ökonomisch realisiert werden, auch "optisch" erfahrbar durch die abgeschlossene Entwicklung eines eigenen, einheitlichen 'corporate design'.

Aufgabe nach außen

Die Kreishandwerkerschaften sind Bestandteil der gesetzlich geregelten Handwerksorganisationen. Sie und ihre Arbeitsgemeinschaften legen Wert auf ein konsenzfähiges, von wechselseitigem Respekt getragenes Miteinander aller Organisationen im Handwerk. Und dies gilt nicht nur für die gesetzlich geregelten (Kammern und Verbände), sondern auch für deren freiwillige Zusammenschlüsse (Kammertage und Verbandsvereinigungen) sowie für die übrigen handwerklichen Organisationen. Hier werden sich die Arbeitsgemeinschaften für zu verändernde Strukturen einsetzen, um den Anforderungen eines "lean management" einerseits und den Kriterien einer ökonomisch-effektiven Interessenvertretung andererseits gerecht werden zu können. Gleichzeitig werden sie weiter daran arbeiten, die Kreishandwerkerschaften als kompetenten und unverzichtbaren Partner für den Handwerksbetrieb zu verstehen. Wie dies im Einzelfall und ganz konkret aussieht, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft in einer Informations- und Image-broschüre dargestellt.

Perspektive

Die fachspezifischen und fachübergreifenden Interessen der Arbeitgeber sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Daher werden sich die Kreishandwerkerschaften und ihre Arbeitsgemeinschaften zunehmend in die (organisations-)politische Willensbildung, vor allem auf Länder- und Bundesebene, einbringen. Dabei legen sie Wert auf die Feststellung, dies in Kooperation mit den anderen Handwerksorganisationen tun zu wollen. Dementsprechend erwarten sie ein wechselseitiges Aufeinanderzugehen, da nur dadurch die Handwerksorganisation - insbesondere bezogen auf ihre elementaren, gesetzlichen Strukturen - so leistungsfähig wird, wie es die Handwerksunternehmen erwarten dürfen. Die Arbeitsgemeinschaften und ihre Kreishandwerkerschaften werden daher dafür eintreten, den Prozeß der Kooperation und Annäherung der einzelnen Bestandteile der Handwerksorganisation zielstrebig und mitgliedernah voranzubringen und ihn dadurch unumkehrbar machen.

Selbstverständnis

Die Arbeitsgemeinschaften der Kreishandwerkerschaften wollen durch "gemeinsames Arbeiten" die selbstgewählte Bezeichnung "Arbeitsgemeinschaft" rechtfertigen. Daher fordern sie einen Umdenkungsprozeß sowie eine veränderte Kultur der Selbständigkeit ein und machen das Prinzip der (Selbst-)Verantwortung eines jeden einzelnen zum Leitmotiv ihrer Arbeit. Sie und ihre Mitglieder wissen, daß dies nur durch ein Höchstmaß an Konsens, Verläßlichkeit und Engagement aller Beteiligten verwirklicht werden kann. Dem notwendigen, bewußt und gewollt aber schlank gehaltenen "eigenen Apparat" der Arbeitsgemeinschaften kommt dabei in der Regel nur koordinierende und moderierende Funktion zu, ohne dabei auf die Notwendigkeit zu inspirieren und als Sprachrohr zu dienen zu verzichten. Sie verstehen sich als fachübergreifende Interessenvertretung der Arbeitgeber im Handwerk auf Länder- und Bundesebene, zu der es weder formell noch materiell eine Alternative gibt, wollen sich die Kreishandwerkerschaften nicht selbst verzichtbar stellen: Alle selbständigen Organisationen haben sich auf drei Regionalitätsebenen zusammengeschlossen, um auf jeder Ebene (Ansprech-)Partner sein zu können; geschlossenes Auftreten, einheitliche Meinungsbildung und damit Synergieeffekte sind ohne überregionale Zusammenschlüsse nicht möglich. Größte Priorität hat dabei für sie, einem sich wandelnden Bewußtsein der Mitglieder entgegenzutreten, das zunehmend Verbandsarbeit aus der Zuschauerperspektive erfährt und (vor-)schnell Verbandsmüdigkeit konstatiert. Den Arbeitsgemeinschaften und ihren Kreishandwerkerschaften ist bewußt, daß Wirtschaftsverbände, als Zuschauerlobbyismus verstanden und betrieben, keine Überlebenschance haben. Daher sind Verändern und Bewahren für sie kein Widerspruch, sondern Elemente erfolgreicher Arbeit, die einander bedingen.

Schlußbemerkung

Die Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in der Bundesrepublik Deutschland - einschließlich der Arbeitsgemeinschaften der Kreishandwerkerschaften der Länder - steht als noch recht junge Spitzenorganisation erst am Anfang ihres Weges. Sie setzt bei der Bewältigung der vor ihr liegenden Wegstrecke zuversichtlich auf die Zusammenarbeit mit den übrigen Organisationen im Handwerk, vor allem aber mit denen, die es letztlich angeht: die Arbeitgeber als Mitglieder in den Innungen. Gleichzeitig hofft sie, nicht vergeblich um das Vertrauen der Repräsentanten in den Organisationen und Betrieben zu werben, da sie wie auch ihre Mitglieder - die Landesarbeitsgemeinschaften und die Kreishandwerkerschaften selbst - nur so ihren Auftrag erfüllen kann.

Für Betriebe: #einfachmachen